Prof. Dr. Johannes Weigelt (1890-1948)
Zur Erinnerung an Prof. Dr. Johannes Weigelt (1890-1948), den Begründer des Geiseltalmuseums, aus Anlaß des 70. Jahrestages der Eröffnung des Geiseltalmuseums am 23.11.2004
"Smithers Lake in Texas - Johannes Weigelt's Aktuo-Feldlabor für die eozäne Geiseltalforschung"
Prof. Dr. Johannes WEIGELT (1890-1948) wurde im Jahre 1929 zum Ordinarius für Geologie und Paläontologie an die Martin-Luther-Universität nach Halle (Saale) berufen und begründete 1934 das Geiseltalmuseum. Zuvor hielt er sich Mitte der 1920er Jahre in den USA auf. Viele seiner geowissenschaftlichen Beobachtungen machte er an der Golfküste der Südstaaten, wo er als Leiter einer seismischen Meßtruppe für die dortige Erdölwirtschaft tätig war. Einige bislang unveröffentlichte Fotos von diesem Amerikaaufenthalt dienen dazu, an den fachlich herausragenden und vielseitigen Geowissenschaftler WEIGELT zu erinnern. WEIGELT widmete seine Untersuchungen in den USA insbesondere rezenten Tierleichen. Die Tiere waren auf Grund von katastrophalen Unwettern verendet und die Kadaver in der Bucht eines See, dem Smithers Lake in Texas, zusammengeschwemmt worden. Ein solcher Forschungsgegenstand mag nicht jeden gleichermaßen begeistern. WEIGELT interessierten dabei vorrangig die spezifischen Umstände, die vom Zeitpunkt des Todes bis zur Einbettung in ein Substrat auf eine Leiche einwirken. Dies schloß auch die Lagebeziehungen der einzelnen Leichen oder deren Teile zueinander ein. All dieses dokumentierte er minutiös und so mündeten seine Resultate in dem mittlerweile in Fachkreisen als Klassiker geltenden Buch "Rezente Wirbeltierleichen und ihre paläobiologische Bedeutung", das 1927 in Leipzig erschien. Es gilt als WEIGELT's Hauptwerk. Obwohl er damit neue und bislang nicht oder noch nicht berücksichtigte Parameter erarbeitete, entsprechende Fragestellungen aufwarf und in die paläontologische Forschung einbrachte, blieb dieses bedeutsame Werk, vermutlich wegen der Abfassung in deutscher Sprache, zunächst international weniger beachtet. Dies änderte sich mit der Übersetzung ins Englische, "Recent vertebrate carcasses and their palebiological implications", im Jahre 1989. Darüber hinaus spricht die späte Übersetzung nach 62 Jahren für die ungebrochene Aktualität des behandelten Themas. Neuerdings steht eine deutschsprachige Reprintfassung (erschienen 1999) mit weiteren, ergänzenden Arbeiten WEIGELT's zur Verfügung.
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Heutzutage sind sowohl die Begriffe "Biostratinomie", wie WEIGELT die Prozesse vom Tode bis zur Einbettung nannte, als auch die Taphonomie, eine erweiterte Fassung des ersteren Begriffs von EFREMOV (1940), der auch noch die sich anschließenden, diagenetischen Prozesse im Sediment einschließt, untrennbar mit jeglicher Dokumentation von Fossilfunden und deren Befundsituation verbunden. Es ist geradezu selbstverständlich geworden, dass nur unter Einbeziehung dieser Fragestellungen eine zufriedenstellende und umfassende Interpretation eines Fundkomplexes erfolgen kann. Biostratinomische Untersuchungen tragen ganz entscheidend zur Rekonstruktion fossiler Ökosysteme bei.
Als Johannes WEIGELT nach der Übernahme des Lehrstuhles in Halle zunächst noch gemeinsam mit seinem Vorgänger Johannes WALTHER systematische Grabungen in der Braunkohle des Geiseltales organisierte und durchführte, bekamen seine Aktuostudien vom Smithers Lake in Texas (USA) sehr konkrete und aktuelle Bedeutung. Sie fanden unmittelbar Anwendung am paläobiologischen Material aus dem Geiseltal, an den von WEIGELT sogenannten Leichenfeldern. Gemeint sind damit Konzentrationen von zahlreichen Tierskeletten auf vergleichsweise kleiner Fläche, die sich unter besonderen, meist klimatischen Ausnahmesituationen oder Katastrophen gebildet haben. Diese offerierten WEIGELT ein weites Betätigungsfeld zur Interpretation fossiler Befunde unter Einbeziehung seiner in Texas gewonnenen, rezenten Beobachtungen. Das hier angewendete Aktualitätsprinzip geht bereits auf den englischen Geologen Charles LYELL (1797-1875) zurück. Viele der Objekte, die in ihrem originären Fundzusammenhang dokumentiert, geborgen und bewahrt wurden, sind im Geiseltalmuseum erhalten. Es besteht daher auch heute noch die Gelegenheit, die Fundumstände von damals am Sammlungsgut zu verifizieren.
WEIGELT war auf dem Gebiet der geologischen Wissenschaften scharfsinnig und weitblickend. Neben der Einführung der biostratinomischen Arbeitsweise in die Paläontologie, erkannte er schon in einer sehr frühen Phase der Geiseltalforschung den außerordentlichen und einzigartigen wissenschaftliche Stellenwert dieser eozänen Fossilfundstätte. Um dieses nachdrücklich zu unterstreichen und einer breiten Öffentlichkeit bekannt und bewusst zu machen, setzte sich WEIGELT für die Errichtung des Geiseltalmuseums als Bestandteil des Geologisch-Paläontologischen Institutes ein. An die Eröffnung des Geiseltalmuseums vor 70 Jahren, am 23. November 1934, wird hier mit einigen seltenen Fotos des Gründers und Geowissenschaftlers Johannes WEIGELT erinnert. Es sind Zeitdokumente, die sich in die Mitte der 1920er Jahre datieren lassen. Die Geländefotos wurden offenbar in Texas bzw. an der Golfküste aufgenommen, wo sich WEIGELT'S "Aktuo-Feldlabor" befand und er die Befunde für das Buch "Rezente Wirbeltierleichen und ihre paläobiologische Bedeutung" zusammentrug (1927).
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