Wissenschaftlicher Bearbeitungsstand der Geiseltalsammlung

Innenansicht mit Rekonstruktion des Urpferdes

 

In den vergangenen Jahren wurden verschiedene Säugetierordnungen wie z. B. diejenigen der Huftiere (Artiodactyla, Perissodactyla) detaillierter bearbeitet und mit anderen mitteleozänen Vorkommen Europas verglichen. Derartige Untersuchungen bezogen sich insbesondere auf die Fossillagerstätten Geiseltal und Messel bzw. Eckfeld. Diese ergaben detaillierten Aufschluß hinsichtlich der Systematik der Equoidea, deren Stratigraphie und Paläobiologie. Die beiden jüngst publizierten, dreidimensionalen Skelettrekonstruktionen je eines charakteristischen Taxons der Paar- bzw. Unpaarhufer haben nun zu einem weitgehenden Abschluß dieses Themenkomplexes geführt.
 
Eine zeitgemäße moderne Bearbeitung, im Sinne einer umfassenden monographischen Darstellung der Lophiodontidae (Tapirverwandte) aus dem Geiseltal im Vergleich zu einschlägigen Fundlokalitäten in Deutschland und Westeuropa, ist in Vorbereitung. Die Lophiodonten stellen mit etwa einem Meter Widerristhöhe und einer Körperlänge von etwa zwei Metern die größten Säugetiere im Geiseltal. Sie sind sowohl odontologisch als auch osteologisch gut belegt.
 
Eine eingehendere Untersuchung der Raubtierordnungen Creodonta (Urraubtiere) und Carnivora (Raubtiere) wurde vor wenigen Jahren vorgenommen und entsprechend publiziert. Die monographische Bearbeitung der Geiseltal-Primaten existiert ebenfalls. Einzelne Ordnungen der Kleinsäuger wie z. B. der Rodentia und Chiroptera wurden in kleineren, separaten Publikationen behandelt. Ausgewählte Exemplare der Marsupialia sind einer neuerlichen Bearbeitung zugeführt worden.
 
Unter den Reptilien wurden jüngst einzelne Arbeiten zu den Crocodilia, den Lacertilia sowie zu den Testudines vorgelegt. Dies gilt auch für Untersuchungen an isolierten Knochen von Kleinvögeln.
 
Vergleicht man den Bearbeitungsstand der Wirbeltiere untereinander, so stellt sich deutlich heraus, dass innerhalb der Amphibien, insbesondere bei den Anura eine zeitgemäße Bearbeitung im Lichte neuerer Ergebnisse und Erkenntnisse aus Messel unbedingt erforderlich ist. Die existierende Darstellung aus den 1940er Jahren ist revisionsbedürftig. Analoges gilt auch für die Ophidia. Viele der neueren wissenschaftlichen Aktivitäten konnten erst aufgrund der politischen Wende zum Ende der 1980er und 1990er Jahre entfaltet werden, so dass es zu einem intensiven, wissenschaftlichen Austausch unter den betreffenden nationalen und internationalen Fachkollegen gekommen ist. Dies hat nicht nur für die Fossillagerstätte Geiseltal, sondern generell auch für die anderen mitteleozänen Fundlokalitäten in Deutschland und in Europa zu einem beträchtlichen Erkenntniszuwachs geführt. In der Zeit vor 1989 waren derartige wissenschaftliche Kontakte nur eingeschränkt möglich.
 
Das wissenschaftlich unschätzbare Fossilmaterial aus den Braunkohlen des Geiseltales bedarf auch künftig einer dauerhaften und sicheren Verwahrung sowie einer präparatorischen und wissenschaftlichen Betreuung. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist die Realisierung einer zeitgemäßen öffentlichkeitswirksamen Präsentation und die uneingeschränkte Zugänglichkeit für die interessierte Fachwelt.


 
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